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12. Hospizforum - Wenn ein geliebter Mensch stirbt

Trauerbegleiterin Barbara Kieferle-Stotz hatte für ihren Vortrag einen Werkzeugkasten mit verschiedenen Gegenständen mitgebracht. Damit warnte sie vor falschen Reaktionen. So zeigte sie eine Säge mit der Aufschrift „Lass los!“(Fotos: Rühl)

Die Trauer um einen Angehörigen kann Hinterbliebene krank machen

Von Lothar Rühl


Welche Folgen der Tod eines nahen Angehörigen hat – damit befasste sich das 12. Hospiz-Forum der Hospiz-Palliativ-Akademie Mittelhessen.

Prof. Dr. Günther Brobmann, Vorsitzender des Förderkreises Hospiz Mittelhessen, konnte rund 100 Besucher zu der Fort- und Weiterbildung in Wetzlar begrüßen. Mit dem Thema „Ist Trauer (k)eine Krankheit?“ wolle man darauf hinweisen, dass es Menschen gibt, bei denen es nach einem solch traumatischen Erlebnis zu Depressionen kommt.

Bürgermeister Harald Semler lobte in seinem Grußwort die Hospiz-Palliativ-Akademie dafür, dass sie sich des Themas annehme und Menschen in dieser schweren Situation begleite.

Eine Einführung ins Thema gaben Dr. Eckart Stotz, Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie aus Karlsruhe, und dessen Ehefrau, die Trauerbegleiterin Barbara Kieferle-Stotz.

Eckart Stotz berichtete, dass die internationale statistische Klassifikation der Krankheiten (ICD) von der Weltgesundheitsorganisation im nächsten Jahr um die „anhaltende Trauerstörung“ erweitert werden soll. Dahinter stehe die Erkenntnis, dass manche Trauernde nicht über den Verlust eines geliebten Menschen hinwegkommen und oft in Depressionen verfallen.

Mit der ICD-Klassifizierung könnten Ärzte künftig eine Diagnose stellen und Patienten eine Psychotherapie verordnen. Der Neurologe führte aus, dass die krankhafte Trauerstörung mit Angst und depressiven Reaktionen gemischt auftrete könne. Aber auch andere Gefühle könnten gestört sein sowie das Sozialverhalten. Häufig träten Aggressionen auf, und Betroffene litten unter Weinkrämpfen.

Aber auch versteckte Trauer mit körperlichen Beschwerden wie Kopf- und Magenschmerzen seien Indizien. Wenn Trauer in psychische oder körperliche Erkrankung übergehe, seien Depressionen sowie Angst- und Panikstörung die Folge.

Auch Süchte, der Missbrauch von Alkohol, Nikotin und Medikamenten, könnten auftreten. Hauptsymptome seien depressive Stimmung, Interessensverlust, Freudlosigkeit, Antriebsmangel sowie erhöhte Ermüdbarkeit. Als Nebensymptome nannte der Mediziner verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit. Der Depressive werte sich selbst ab. Er entwickele Gefühl von Schuld und Wertlosigkeit und fühle sich zudem selbst schuld an seinem schlechten Zustand.

Das führe zu negativen und pessimistischen Zukunftsperspektiven, Schlafstörungen und Appetitmangel bis hin zu Suizidgedanken. Bei manchen trete der Wunsch auf, dem Verstorbenen zu folgen. Er wolle nicht mehr länger leiden müssen.

Loslassen ist ein gut gemeinter Rat, der Betroffenen in ihrer Trauer aber oft nicht hilft

Dr. Stotz ging auch auf Medikamente ein, die in solchen Fällen helfen können. Diese reichen von Schlafmitteln bis hin zu Tranquilizern (Beruhigungstabletten), die schnell wirken, aber langfristig abhängig machen können. Besser seien Neuroleptika, die diese Wirkung nicht hätten. Schließlich empfahl er auch Antidepressiva, die den Schlaf fördern könnten. „Bei richtiger Anwendung sind Medikamente ein Segen und können helfen, aus der Depression wieder herauszukommen.“

Trauerbegleiterin Barbara Kieferle-Stotz berichtete, dass sich Kindergartenleitungen an sie wenden, weil sie nicht wissen, wie sie mit den Kindern und deren Angehörigen umgehen sollen, wenn ein Elternteil plötzlich stirbt.

Anhand eines Werkzeugkastens mit verschiedenen Gegenständen warnte sie vor falschen Reaktionen. So zeigte sie eine Säge mit der Aufschrift „Lass los!“. Dies sei oft ein gut gemeinter Rat, der den Betroffenen in ihrer Trauer aber nicht helfe. Auch zeigte sie die Tränchen-Puppe, mit der Kinder in der Trauer angesprochen werden können. Kieferle-Stotz wies auch auf ihre guten Erfahrungen hin, die sie mit Trauer-Cafés gemacht hat. Sie führt ein solches Café auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe. Es sei ein offenes Angebot für Angehörige.

Prof. Brobmann und Monika Stumpf, Geschäftsführerin und Leiterin des Hospizes Haus Emmaus, stellten die sogenannte Herzbox vor. Sie soll im Rahmen von „Charly & Lotte“, der Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche, eine neue Möglichkeit geben, um mit dem Tod eines geliebten Menschen umzugehen.

Wetzlarer Neue Zeitung, 8. November 2018, Seite 12

 

Eine Box hilft in der Trauer

Trauerbegleiterin Carmen Storbakken (v. l.), Michelle Schulz, Petra Gießler, Monika Stumpf, Dr. Martin Nörber und Elisabeth Terno mit der „HerzBox“ und deren Inhalt, die in der Trauerbegleitung, aber auch in der Öffentlichkeitsarbeit zum Einsatz kommen sollen.(Foto: Pöllmitz)

Neues Hospiz-Projekt ist Teil von „Charly & Lotte“

Das Hospiz Mittelhessen will mit einem neuen Projekt trauernde Menschen begleiten, unterstützen und Trost spenden. „HerzBox“ heißt die Aktion, die jetzt vorgestellt worden ist.

In der Hospiz- und Palliativakademie hieß Monika Stumpf, Geschäftsführerin und Leiterin des Hospizes Haus Emmaus, zur Präsentation der „HerzBox“ viele Gäste willkommen.

Im Rahmen von „Charly & Lotte“, der Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche, ist eine neue Möglichkeit geschaffen, um mit dem Tod eines geliebten Menschen umzugehen. Die „HerzBox“ ist ein hölzernes Kästchen, das individuell gestaltet werden kann, Platz für Erinnerungsstücke, für persönliche Schätze und andere Gegenstände bietet. Die „HerzBox“ dient gleichermaßen der Trauerbegleitung wie der Öffentlichkeitsarbeit, vor allem in Schulen und Kindergärten.

Es geht um die Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die einen geliebten Menschen verloren haben. Die „HerzBox“ ermöglicht auf unterschiedlichste Art und Weise, wertvolle Erinnerungen an einen verstorbenen Menschen aufzubewahren.

Das Projekt konnte nur durch die Förderung des hessischen Sozialministeriums realisiert werden und ist dadurch für die betroffenen Menschen kostenlos. „Es ist schön, dass es Menschen gibt, die eine Idee bis zur Realisierung begleiten und sie immer neu mit Leben füllen“, sagte Elisabeth Terno von der Koordinations- und Ansprechstelle für Dienste der Sterbebegleitung. Sie hatte das Team in Wetzlar bestärkt, das neue Projekt zu starten. „Sie überlegen ständig, was noch nötig ist und gebraucht wird, wobei es Ihnen um das Ganze geht“, lobte Terno.

Martin Nörber vom Sozialministerium lobte ebenfalls das Engagement des Teams in Wetzlar. Gerade für junge Menschen stehe meist der Tod noch fernab. „Die HerzBox gefällt mir besonders, weil sie nicht nur für Betroffene konzipiert wurde, sondern auch im pädagogischen Bereich eingesetzt werden kann“, sagte Nörber.

Das Team von „Charly & Lotte“ begleitet derzeit 33 Familien und 45 Kinder

Petra Gießler, Koordinatorin bei „Charly und Lotte“, stellte die Arbeit des zehnköpfigen Trauerbegleitungsteams vor, das derzeit 33 Familien und 45 Kinder einzeln oder in der Gruppe begleitet. „Austausch ist wichtig; zu sehen, dass Trauer etwas Normales ist und es andere Kinder und Jugendliche in der gleichen Situation gibt“, erzählte die erfahrene Trauerbegleiterin.

Einmal im Monat finden die Treffen der Kinder und Eltern parallel statt und neben einer Kunsttherapiegruppe werden auch noch zehn Kinder zu Hause begleitet. „Wichtig ist die Öffentlichkeitsarbeit in Schulen und Kitas“, sagte Gießler.

Zu den Höhepunkten gehörte ein Tag mit allen Familien im Outdoor-Center Lahntal, wo der Austauschbedarf deutlich wurde. Dies habe Mut gemacht und Perspektiven eröffnet. „Unsere Angebote sind kostenlos und werden durch Spenden finanziert“, sagte Gießler.

Monika Stumpf erklärte, wie wichtig die „HerzBox“ vor allem für trauernde Kinder sein kann. „Erwachsene können Trost und Hoffnung gedanklich finden – Kinder müssen etwas werkeln, verwahren, verstecken, Geheimnisse haben, Schätze von den Verstorbenen sammeln.“

Michelle Schulz hat sich in ihrem Anerkennungsjahr intensiv mit der „HerzBox“ beschäftigt und stellte die Kistchen und deren Inhalt vor. Ikea hat für die ersten Boxen Acrylfarben zur Gestaltung geschenkt. Eine Schatzkarte dient quasi als Betriebsanleitung, wie Schulz erzählte.

Dann gibt es das Herzbüchlein, in das ein Foto des Verstorbenen eingeklebt und persönliche Daten eingetragen werden können. Außerdem kann man Wunschstäbe basteln, mit denen man gute Wünsche mit auf den Weg geben kann, es gibt einen Bleistift, Postkarten, eine Lichttüte, Taschentücher, Charly und Lotte-Sticker und Süßigkeiten als Seelentröster. „Unser Wunsch ist es, die HerzBox bekannt zu machen, damit sie vielen Menschen ein treuer Begleiter durch die Trauer sein kann“, sagte Monika Stumpf.

Wetzlarer Neue Zeitung, 15. August 2018, Seite 12

 

 

„Scharly“ erobert die Frauenhälse

"Scharly“ ist in rosa und blau zu haben, allerdings je nur 250 Stück. Der Erlös aus dem Verkauf wird vollständig gespendet. (Foto: Pöllmitz)

 

Benefiz - Lions-Damen gestalten einen Schal

(von Heike Pöllmitz)

Immer für eine gute Idee zu haben sind die 26 Damen des Fördervereins des Lions-Clubs Wetzlar Charlotte Buff. Mit „Scharly“ haben sie ein Benefiz-Produkt für ihr Projekt „Charly und Lotte“ entworfen.

Unter dem Motto „Blind Date mit Scharly“ präsentierten sie das limitierte Produkt, mit dem sie einmal mehr das von ihnen 2012 ins Leben gerufene Projekt unterstützen wollen, in dessen Fokus die Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche im Hospiz Mittelhessen „Haus Emmaus“ steht. Seither finanziert der Club dieses Projekt zu großen Anteilen durch den Verkauf selbst entworfener Produkte durch seinen Förderverein.

Vize-Präsidentin Stephanie Steen hieß die Gäste in authentischer Kulisse im Lottehof zur Präsentation willkommen. Sie erklärte, alle zwei Jahre würde ein neues Produkt entworfen. Nach T-Shirt, Perlenarmband und Pompidou sei etwas Besonderes entstanden: „Lassen Sie sich von etwas Wunderbarem einwickeln“, forderte Steen auf und gab damit das Startzeichen für eine kleine Modenschau, mit der einige Clubmitglieder den seidigen Begleiter – einen Schal – vorstellten.

„Er sollte elegant sein, farbenfroh, vielseitig und aus gutem Hause. Einzigartig und edel – wie für mich gemacht“, ließen die Lions-Damen in der Einladung Charlotte Buff selbst zu Wort kommen. Stefanie Gold und Isa Balzer von der Planungsgruppe lieferten die nötigen Informationen zu dem Seidenschal. Aus „Schal“ und „Charly“ entstand „Scharly“, dessen Optik die freie Grafikerin Isa Balzer individuell für den Club gestaltete. Der Entwurf wurde in Italien auf die Seide gedruckt und dann in der Krawatten- und Fliegenmanufaktur Ploenes in Krefeld geschnitten und gefaltet.

Auf T-Shirt, Perlenarmband und Pompidou folgt jetzt der Schal für den guten Zweck

In einer einzigartigen Kartonage, auf der das Konterfei Charlotte Buffs abgebildet ist, gibt es die Geschichte und Pflegehinweise für Scharly und Tipps, wie man ihn tragen kann: ob im Haar, um den Hals, als Armband oder an der Handtasche. „Ich hoffe, er ist auch für Sie die Liebe auf den ersten Blick“, warb Stefanie Gold.

„Scharly“ ist in rosa und blau zu haben, allerdings je nur 250 Stück, und kostet 35 Euro, die zu 100 Prozent dem guten Zweck zu Gute kommen, Kindern und Jugendlichen nach dem Verlust eines geliebten Menschen einen Anlaufpunkt zu geben, wo sie eine geschützte, vertrauensvolle Umgebung finden.

Aus der einstigen „Charity Charlotte“ ist „Charly und Lotte“ geworden und es konnte schon viel erreicht werden: Mit dem Verkauf von 500 T-Shirts und einem Reinerlös von 10 000 Euro wurde das Projekt „Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche“ erfolgreich gestartet. Inzwischen konnten Mitarbeiter des Hospizes „Haus Emmaus“ eine fachgerechte Ausbildung erhalten und mit der Kinderseelsorge beginnen.

Nun soll sich „Scharly“ in die Erfolgsgeschichte einreihen. Er ist zum einen bei Renée Arabin im Kosmetik-Institut Rebekar, Lahnstraße 25, und zum anderen bei Petra Staubach-Triller in der Juwelierschmiede, Silhöfer Straße 7, zu bekommen.

Wetzlarer Neue Zeitung, 4. Juli 2018, Seite 12 

 

 

 

 

 

 

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